Geldtheorie und Geldpolitik

Das heutige Geldsystem mit gesplittetem Kreislauf von Reserven und Giralgeld.
Funktionsweise, Disfunktionen und Ausblick

Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Komponenten des Geld- und Bankensystems bezüglich der Fragen, wie Geld geschaffen wird, wie es im Zahlungssystem zirkuliert, wie es zeitweilig stillgelegt und reaktiviert, und schließlich gelöscht wird. Ohne das zu wissen, kann man nicht verstehen, warum in Sachen Geld und Finanzen vieles nicht so funktioniert wie es sollte.
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Eine englische Version dieses Artikels unter dem Titel > Single-circuit reserve banking in der real-world economics review, no. 80, 26 June 2017, 63-84.  
 

Welche Geld- und Bankingtheorie ist die richtige - Finanzintermediär-Theorie, fraktionale Reservetheorie oder Giralgeldschöpfung aus dem Nichts?

R. Werner

R. Werner

Der Mechanismus der Banken-Giralgeldschöpfung auf einer geringen Vollgeldbasis war schon den Teilnehmern der Currency-versus-Banking Debatte vor bald 200 Jahren bekannt. Die Theorie des Bankenkreditgeldes wurde ab den 1890er Jahren entwickelt. Und doch wollen noch heute viele Ökonomen und Bankpraktiker nichts davon hören.
Andere Autoren wiederum, die sich sozusagen an der Frontlinie der Entwicklung bewegen, schießen übers Ziel hinaus. Das gilt zum Beispiel für einen Artikel von Richard Werner, der drei Banking-Modelle unterscheidet: die Finanzintermediär-Theorie, die Theorie der Reservenzirkulation, und die Giralgeldschöpfung aus dem Nichts. Hier ist der Artikel von R. Werner
> Can Banks Individually Create Money out of Nothing? The theories and empirical evidence  

Dazu von mir  > Kritische Bemerkungen zu R. Werner's Banking Typologie, mit einer Erläuterung warum das Giralgeld der Banken zwar getrennt, aber nicht unabhängig vom Zentralbankgeld existiert
Das Papier> als PDF

M. Schem.

Eine weitere Kritik kommt von Michael Schemmann, Professor für Bankenbuchhaltung und Bilanzierung
> Critique of Werner's Article on Bank Credit Creation


Eingeschränkte Sicht - Die keynesianische Denkwelt gegenüber Giralgeldkritik und Vollgeldreform

Im Vergleich zu anderen Lehrmeinungen fällt die Kritik am Vollgeldansatz von Seiten eines Nachfrage­keynes­ianismus, Linkskeynesianismus, Monetär­keynes­ianismus, Postkeynesianismus und der Modern Money Theory zwar heterogen, gleichwohl meist ablehnend aus. Auch wenn diese Richtungen Keynesianischer Herkunft sich unterscheiden, haben sie anscheinend alle ein tiefer sitzendes Problem mit der Kritik des bestehenden Giralgeldregimes. Woher rührt das Problem? Warum gehören so viele Vertreter der keynesianischen Denkwelt zu den größten Kritikern der Finanzmärkte und zugleich zu den treuesten Verteidigern des bestehenden Geld- und Bankensystems? Man scheint darin nicht den eklatanten Widerspruch zu sehen, der es ist.  
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Circuitismus - Geldtheorie und Kreislaufmodell

Der Circuitismus ist ein französisch-italienischer Ableger des Postkeynesianismus aus den 1960–90er Jahren. Die Bezeichnung bezieht sich auf ein spezielles Modell des Geldkreislaufs. Der Circuitismus beinhaltet die wichtigsten Einsichten des Keynesianismus und Postkeynesianismus in die Funktionsweise des Geld- und Bankensystems.
Andererseits weist auch der Circuitismus die typischen Mängel der Geldtheorien keynesianischer Herkunft auf. Die Geld- und Bankentheorie des Circuitismus ist in wichtigen Punkten unvollständig; sie kümmert sich nicht um die Frage der optimalen Geldmenge; sie ignoriert die Realität einer finanzwirtschaftlichen Sphäre von nicht BIP-wirksamen Transaktionen; sie hat ein verkürztes Verständnis von Chartalismus; ebenso verkennt sie die Funktionsprobleme des bestehenden Giralgeldregimes (fractional reserve banking).
So kommt es, dass der Circuitismus zwar die 'Macht der Banken' in Frage stellt, er aber dennoch, darin ähnlich der MMT, faktisch eine Version der Real Bills Doktrin in der Tradition der Banking School vertritt, anstatt den Horizont zu öffnen in Richtung einer Neuen Currencylehre auf der Höhe der Zeit, eines vollständigen Chartalismus und Vollgeldkonzeptes.   
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Geldpolitische Unschärfen    
Warum Zentralbanken schlechter abschneiden als sie könnten, und warum Vollgeld für Wirksamkeit der Geldpolitik sorgen würde

Die Zentralbanken werden heute als mächtige Institutionen gesehen, deren Geldpolitik die Banken kontrolliert und die Finanzmärkte und die Wirtschaft darüber hinaus stark beeinflusst. Die Zentralbanken sind von sich aus darauf bedacht, keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass sie Herr der Lage sind. Tatsächlich aber sind heute die Banken die bestimmende monetäre Macht.  
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Currency versus Banking. Bezugsrahmen von bleibender Bedeutung

Currency- und Banking-Theorien sind gegensätzliche Auffassungen darüber, wie ein modernes Geld- und Bankensystem funktioniert und wie es ausgestaltet sein sollte. Der Ausdruck Neue Currency Theorie (NCT) nimmt auf die Currency School von Anfang des 19. Jahrhunderts Bezug. Ihr Gegenspieler war die Banking School. Die Kontroverse scheint weitgehend vergessen, obwohl sie heute mehr denn je von großer politischer Bedeutung ist. Die meisten der heutigen Geldreform-Initiativen sind faktisch neue Currency-Lehren.
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Hier > eine zusammenfassende Synopse zum Thema


Die Modern Money Theory (MMT)    

ist ein Abkömmling des Postkeynesianimus. Sie präsentiert sich als Speerspitze monetärer Theorie, und manch einer glaubt das auch noch. In Wahrheit handelt es sich um einen Hotchpotch von Versatzstücken von Theorien keynesianischer Herkunft, die teils durchaus ihre Richtigkeit haben, in der MMT aber gebeugt und zu einer irritierenden Unwahrheit zusammmengefügt werden. Wem oder was dient solche Ideologie?
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• Critical> Evaluation of Modern Money Theory MMT  by Steven Walsh and Stephen Zarlenga, American Monetary Institute.

 

Die österreichische Schule und die Neoaustrians

Die österreichische Schule war eine der wenigen Strömungen der neoklassischen Ökonomik, die das Regime des Bankenkreditgelds sehr kritisch betrachteten. Jedoch suchen sie die Gründe für die Funktionsprobleme des fraktionalen Reservebanking beim Staat und den Zentralbanken, nicht jedoch in einem Geld- und Finanzmarktversagen und dem Geschäftsgebaren der Banken selbst. Bei Hayek hatte das Marktergebnis ja immerhin den Status eines Gottesurteils. 

• Hier ein Text zu  > Neo-Austrians zwischen Free Banking, Goldstandard und 100% Reserve. Überlegungen anlässlich der Lektüre von Huerta de Soto. 

 

weitere Papers zu geld und banken

Norbert Häring: The veil of deception over money. How central bankers and textbooks distort the nature of banking and central banking, real-world economics review, no.63, March 2013

Ulrich Bindseil, The Operational Target of Monetary Policy and the Rise and Fall of Reserve Position Doctrine, ECB Working Paper Series no. 372, 2004.

•  Banking: From Bagehot to Basel, and Back Again, speech by Mervyn King, former Governor of the Bank of England, 25 Oct 2010.

Seigniorage.  
Das Privileg der Banken, ihr eigenes Giralgeld zu erzeugen, kostet den Steuerzahler viel Geld - das den öffentlichen Kassen entgeht und den Banken zugute kommt    

Forscher der New Economics Foundation (NEF), London, und der Copenhagen Business School (CBS) haben einen neuen Ansatz zur Ermittlung der Seigniorage entwickelt, d.h. des Extragewinns aus der Erzeugung von Giralgeld durch die primäre Kreditausstellung der Banken. Eine empirische Fallstudie, die Britannien, Dänemark, teils auch die Schweiz und Island einbezieht, kam zu dem Ergebnis: bis zu drei Viertel der Gewinne der Banken. Höchste Zeit dieses neo-feudale Privileg abzuschaffen ...     

Executive summary >     
NEF and CBS full report >  
CBS academic version openarchive >  
CBS academic version direct >  
 

Das nachfolgende Video On the Functioning of Fractional Reserve Banking wurde bei der 12. Jahreskonferenz des American Monetary Institute aufgenommen, Chicago Okt 2016.


Vorlesung u Diskussion:"Entwicklung des Geldes; Banking School vs Currency School", sowie ab 1:21 "Chartalismus. Staatliche Theorie des Geldes" von Prof. Joseph Huber am 29.04.2015 an der FU Berlin im Rahmen des Kurses "Finanzkrisen und Geldsystem". Mitorganisiert von den Kritischen Wirtschaftswissenschaftlern Berlin unter Kursleitung von Prof. Klaus Peter Kisker.
Weitere Infos zum Kurs unter
http://www.kriwis-berlin.org/finanzkrisen-u-geldsystem/

Giralgeldmonopol und Eigengeschäft der Banken 

Erhard Glötzl entwickelt in diesem Papier ein interessantes Theorem: Der große finanzielle Vorteil der Banken bei der Giralgeldschöpfung liege nicht darin, dass sie eine Extra-Seigniorage durch vermiedene Refinanzierungskosten erzielen. Infolge des Wettbewerbs unter den Banken (abgesehen vom Unterschied zwischen Groß- und Kleinbanken) gehe dieser hypothetische Extragewinn verloren. Nur bei Annahme von Oligopol-Bedingungen mag eine Giralgeld-Seigniorage ein Stück weit gegeben sein.

Dr Erhard Glötzl, Linz, über ungerechtfertigte Vorteile der Banken bei der Giralgeldschöpfung und im im Wettbewerb mit Nichtbanken.

Viel bedeutender ist der Erwerb von mit Giralgeld bezahlten Wertpapieren und Sachwerten, da die Banken hier auch im Wettbewerb zu Nichtbanken stehen. In diesem Fall müssen sie den Vorteil aus den wesentlich niedrigeren Finanzierungskostengegenüber Nichtbanken (nur auf ca. 3% statt auf 100% der Summen) nicht oder nur teilweise weitergeben. Dadurch erzielen die Banken vergleichsweise erheblich höhere Gewinnmargen als andere Akteure. Für Glötzl ist dies der Hauptgrund für die Verschiebung vom Kreditgeschäft zum Investmentbanking. Damit verstoße das Eigengeschäft der Banken wegen ihres Giralgeldmonopols gegen die Regeln des freien Wettbewerbs und gegen den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung.
Text> Problematik der Giralgeldschöpfung durch Geschäftsbanken

Federal Reserve Chicago

Federal Reserve Chicago

 

 

 

Zum Konzept des Vollgelds, mit abschl. Diskussion des diesbezüglichen neoösterreichischen Standpunkts.

Konferenz 'Besseres Geld für die Welt' des Ludwig von Mises Institut Deutschland am 8. Oktober 2016, München

In diesem Vortrag erläutert Prof Richard Werner (University of Southampton) bei der "Ersten Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik" veranstaltet vom Arbeitskreis Real World Economics eine Reihe von Fehlleistungen der Mainstream VWL.